Das Zollingerdach

Das bedeutendste Gebäude des Hofensembles Mutter Fourage ist die seit 2012 unter Denkmalschutz stehende Kulturscheune mit ihrem außergewöhnlichen Zollingerdach.

Nachdem 1924 die alte Scheune bis auf die Außenmauern abgebrannt war, ließ der Fouragehändler Otto Hönicke eine größere neue Scheune mit einem Lamellendach als Tonnengewölbe bauen.

Friedrich Zollinger (1880–1945), Architekt und Konstrukteur, Baustadtrat in Berlin-Neukölln und Merseburg, entwarf diese neue moderne Dachform zu Beginn des 20. Jahrhunderts und meldete die freitragende Dachkonstruktion 1921 unter dem Begriff „Zollbauweise“ zum Patent an.

Die auch Zollbau-Lamellen-Bauweise genannte Konstruktion unterscheidet sich erheblich von normalen Dachstühlen. Es werden relativ kurze Bretter mit handelsüblichen Schrauben zu einem netzartigen Flächengebilde verbunden. So entstehen viele nebeneinander angeord­neten Rauten, die eine sehr dekorative Dachun­tersicht ergeben.

Die Konstruktionsweise gilt als ökonomisch und effizient. Gegenüber dem klassischen Satteldach verringert sich die Menge des benötigten Holzes um rund 40 Prozent. Durch den Verzicht auf Balken und Stützen können neben Wohnhäusern vor allem großräumige Gebäude wie Hallen, Scheunen und Sakralbauten mit den gewölbten Dächern versehen werden.

Die vielseitigen Möglichkeiten und Formen, die die Zollinger-Bauweise bietet, sind überraschend, beeindruckend und zukunftsweisend.

Jahrzehntelang vergessen, informierte im Herbst 2015 die umfassende Ausstellung "Das Zollingerdach – weniger ist Zukunft“ über Zollingerdächer von den 1920er Jahren bis heute anhand von Modellen, Fotos, Plänen, Entwürfen und interaktiven Präsentationen die Vorteile und Möglichkeiten einer ökonomischen und effizienten Konstruktionsweise für das 21. Jahrhundert. In Kooperation mit den Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp), der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, dem Karlsruher Institut für Technologie und der Hochschule für angewandte Wissenschaften München und dem Verein der Freunde der Galerie Mutter Fourage konnte dieses Projekt verwirklicht werden.

Im August 2017 erschien die aus dem Projekt resultierende Publikation "Das Zollingerdach - weniger ist ... Zukunft", die in der Galerie zu erwerben ist.